Nacht der Schmerzen
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Ich kann sie bereits hören. Sie sind zwar mindestens noch zwei Straßenblöcke entfernt; doch das hohe, alptraumhafte quietschen nähert sich mit tödlicher Wahrscheinlichkeit. Obwohl meine Beine vom laufen schmerzen und ich meinen Herzschlag im Hals pulsieren spüre, laufe ich schneller und schneller die Straße hinunter. Hinein in die Nacht, die nur ab und zu von einer noch nicht kaputten Straßenlampe gestört wird. Die meisten Häusereingänge sind vernagelt, an anderen sind schwere Metalltüren. Die Fenster sind zugemauert oder von schweren Stahlklappen geschützt, hinter denen meistens zugedröhnte Junkies mit Panzerfäusten oder Kalashnikovs darauf warten, das sich jemand in ihre Straße verirrt. Aber nicht nur das ist ein Grund, möglichst schnell in den Bunker zurückzukehren. Vor einer halben Stunde wurde ich von einer Straßengang aufgehalten. normalerweise erledige ich das mit einer Blitzgranate, aber diese Cyborg-Kiddies hatten verdammte Digitalaugen, die es für 200 Euro im Internet gibt. Also kam es zu einer der üblichen Schießereien, die von einem Kampfhubschrauber durch Raketen beendet wird. Die Arschlöcher waren tot und ich mußte einen so großen Umweg nehmen, das ich nicht rechtzeitig zu Beginn der Ausgangssperre in meinem Sektor war.
Also renne ich jetzt schon seit zwanzig Minuten durch die dunklen Straßen, ohne zu wissen, wo die Bestien heute sind.
Ich renne in eine Seitenstraße, Leichengestank schlägt mir entgegen. In den Mülltonnen sind Leichen von Menschen, Cyborgs, Biomaschinen und mutierten Tieren. ein paar Cyborgratten sägen sich vermodertes Fleisch und ROM-Chips aus den Überresten, sie bemerken mich nicht. ich renne weiter und komme auf eine Hauptstraße. es sind fünfhundert Meter bis zu meinem Sektor. Ich höre Artillerie im Süden, die Armee nimmt den Rebellenstützpunkt bei den Ruinen unter Beschuss. Jetzt höre ich wieder ein summen. ich drehe mich um, die Straße ist leer. ich sehe genauer hin, ein rotes Licht. Ein Laserstrahl direkt über dem Boden, der aus einer Gasse kommt. Eine kleine Gestalt kommt heraus, sie bewegt sich auf 2 kräftigen Beinen, der gepanzerte Stahlkörper einen halben Meter lang. Die Waffenlager sind deutlich zu erkennen, die Infrarotsonden sind bereits weg. der Kopf mit den Kreissägen, Kameras und dem Laserstrahler dreht sich zu mir, der Laserpunkt sitzt auf meiner Brust.
Ich weiche zur Seite aus und werfe eine Granate. Sie landet direkt unter der HHE und zerreißt sie von unten. Das war Glück, an jeder anderen stelle wäre die Granate wirkungslos verpufft. In der Gasse fängt es an zu summen. Laser blitzen auf und durchschneiden die dünne Nebelwand, jetzt das leise knarren von mechanischen Muskeln. Aus der Gasse schleichen drei HHEs, gefolgt von einem Transplantor. Ich ziehe meinen Granatwerfer und drücke ab, leere Schuss für Schuss das ganze Magazin. Glühende Phosphorteilchen blitzen zu Millionen vor mir auf und tauchen die Roboter in gleißendes Licht. Die drei HHEs werden von dem Feuerregen zersiebt, der Cyborg steht zu weit weg. Ich nehme den Raketenwerfer und feure meine fünf Cyborgkiller ab, die aber keine Wirkung zeigen. Er kommt näher, im schwachen Mondlicht erkenne ich eine biomechanische Einheit der neusten Generation, eine aufgewertete Soldatenleiche. Ich greife nach 2 Granaten, werfe sie und laufe los. Bis zu meinem Sektor ist es nicht mehr weit, und wenn ich einen Noteingang erwische, könnte ich über die Tunnel in meinen Bunker kommen. Cyborgs sind nicht sehr schnell, besonders die gepanzerten. Schritte hinter mir, die Granaten explodieren, die Druckwelle wirft mich von den Beinen. Ich stehe auf, renne weiter, plötzlich trifft etwas meinen Arm und reißt die rechte Hand ab. Ich renne schneller und unterdrücke den Schmerz, das Blut spritzt aus dem Armstumpf. Es ist nicht mehr sehr weit. Ein zweiter Schuss trifft mich an der rechten Schulter und reißt den Arm ab. Der dritte Schuss zerfetzt meinen linken Fuß. Ich stürze und drehe mich auf den Rücken, um mich zu wehren. Der Cyborg ist zehn Meter entfernt und kommt auf mich zu. Auf der linken Straßenseite öffnet sich eine Stahlklappe in einer Fensteröffnung. Der Cyborg feuert einen Schuss ab, eine Granate. Die Stahlklappe schließt sich, aber die Granate durchschlägt den Stahl und explodiert in der Wohnung. Wandtrümmer fallen auf die Straße und die Stahlklappe durchschlägt die Wand des Nachbarhauses. Mein Bein blutet stark, der Cyborg kommt näher. Aus seiner Faust schnellen zwei Stahlkrallen, die er mir in das Bein rammt, ich schreie auf. Die Krallen laden sich mit Strom, ein Blitz schießt durch den Beinstumpf und setzt ihn in Brand; Vor Schmerz bleibt mir die Luft weg. Der Cyborg zieht die Krallen aus meinem Bein und setzt seinen Organsauger auf meine Brust auf, ich bin starr vor Angst. Eine Säge kreischt und zersplittert meine Rippen, zwei Messer schneiden sich den Weg frei und durchtrennen die Aorta. Ich spüre, wie mein Herz aus dem Körper gerissen wird, die Knochensäge des anderen Armes zerfetzt meinen Hals. Ich müßte schreien oder ohnmächtig werden, aber nichts passiert. Der Cyborg steht auf und beugt sich über mich. Er setzt den Organsauger noch mal an, diesmal tiefer, innerhalb von Sekunden werden meine Nieren in den Tank gesaugt. Ich höre Geräusche, kann aber meinen Kopf nicht bewegen. Der Cyborg verschwindet, aus dem Augenwinkel sehe ich eine Headhunter-Einheit. Die Kopfsägen kreischen los und bohren sich in meinen Bauch, ich lebe trotzdem. Die Sägen wandern durch meine Brust und meinen Hals in meinen Kopf. Es wird dunkel und das krachen von splitternden Knochen verstummt. |