Im Namen des Erzengels
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Für Byron war es ein fast normaler Tag. Er ging morgens ins Büro, arbeitete acht Stunden und fuhr am Abend wieder heim, doch irgend etwas stimmte nicht. Es lag am Licht, irgendwie war alles leicht rot, selbst die Luft schien zu leuchten. Die Sonne ging gerade unter und die Wolken reflektierten das Licht, aber er steuerte auf eine nachtschwarze Regenfront zu. Es dauerte nur einige Minuten, bis er im strömenden Regen fuhr und die ersten Blitze über den schwarzen Himmel zuckten. Die Landstraße war völlig verlassen, obwohl es früher Abend war und sich um diese Zeit sich meist der Feierabendverkehr über die Straße und durch die kleinen Dörfer quälte. Ein Zucken ging durch den Wagen, der Motor verstummte. Byron lenkte an den Straßenrand und ließ den Wagen ausrollen. Verdammt, eine Panne bei diesem Wetter! Er zog sich die Kapuze über den Kopf und stieg aus, öffnete die Motorhaube und sah in den Wagen, obwohl er nicht wusste, nach was er überhaupt suchen soll. In diesem Moment schoss ein Blitz vom Himmel und ließ ihn erstarren. Alles um ihn herum wurde Licht, welches sich wie ein Tornado um ihn zu drehen begann. Es wurde schneller und er begann zu fallen, irgendwo hin. Alles um ihn herum verschwamm und er verlor das Bewusstsein.
Als Byron auf dem Boden liegend aufwachte, war um ihn herum nichts. Er stand auf und sah sich um, aber von Horizont zu Horizont war nur der Boden zu erkennen. Der Himmel leuchtete in einem rot-difussen Licht, der Boden war glatt und absolut schwarz. Er ging gerade ein paar Schritte, als eine laute Stimme von überall her zu sprechen begann: Byron fuhr immer noch auf der Landstraße im strömenden Regen. Er erinnerte sich an alles, wusste aber nicht, wie er jetzt wieder im Wagen sitzen konnte. In diesem Moment fuhr er wieder an der Stelle vorbei, an der er vorhin anhielt. Dort stand ein Wagen, es war sein Wagen und sogar sein Nummernschild. Die Motorhaube war offen, er bremste etwas und fuhr langsam vorbei. Vor dem Auto stand jemand. Er erkannte das Gesicht, es war er selbst! Byron fuhr ein kalter Schauer über den Rücken, er trat das Gaspedal durch und fuhr viel zu schnell durch den strömenden Regen nach Hause, ständig in den Rückspiegel blickend.
Zu Hause dachte er über das gerade Erlebte nach und beschloss, es als einen kurzen Tagtraum abzuhaken, als ein stechender Schmerz seinen Körper durchfuhr. Er bäumte sich auf vor Schmerzen und fiel auf den Boden. Kurz darauf waren die Schmerzen abgeklungen, aber nicht völlig weg. Der restliche Abend war für Byron nicht gerade schmerzhaft, aber dennoch unangenehm.
Schon am nächsten Tag begann er mit den Vorbereitungen und besuchte jemanden, den er schon lange nicht mehr gesehen hatte. Er parkte vor dem abgelegenen Haus am Waldrand, ging die Treppenstufen zur Tür hoch und klingelte. Ein etwa 30-jähriger Mann öffnete die Tür. "Byron? Was willst du denn hier, du hast dich ja ewig nicht gemeldet". "Hallo Mark. Bist du alleine?", fragte Byron. "Ja, wieso? Was ist denn los?" Am späten Abend rief sein Vater an und teile ihm mit, dass man seinen Bruder ermordet hatte. Byron täuschte Betroffenheit vor und fragte, ob man etwas über Motiv und Täter wüsste. Sein Vater erzählte, dass die Polizei im Mafiamilieu ermittelte, da Mark anscheinend in illegale Waffengeschäfte verwickelt gewesen war. Über die Beerdigung verloren sie kein Wort, beiden war klar, dass Byron nicht kommen würde.
Die folgenden Tage verhielt er sich unauffällig. In seiner Wohnung lagerten genügend Waffen und Munition, um ein Todesschwadron auszurüsten, und die Polizei war auf der Suche danach. Also schaffte er die Sachen aus seiner Wohnung, richtete sich Verstecke und Waffenlager ein, kaufte Kleidung und Ausrüstung. Er machte sich auch Gedanken über seine Vorgehensweise. Er wollte töten, Angst und Schrecken verbreiten, aber auch nicht gefasst werden. Gleich am nächsten Tag begann Byron, den Sprengstoff zu plazieren, in Geschäften, Kaufhäusern, auf den Dächern und unter den Straßen. Danach fuhr er mit einigen Waffen raus in den Wald und übte das Zielen. Er hatte sich nie besonders für Waffen interessiert, dennoch konnte er sie bedienen wie ein Elitesoldat. Auf einen Kilometer Entfernung konnte er eine Gruppe von Wanderern töten, ohne einen Schuss daneben zu setzen. Mit dem Ding wäre er gerne mal auf den Kirchturm gestiegen, aber das wäre zu auffällig und wenig effektiv gewesen. Während er die 7 toten Wanderer im Wald vergrub, dachte Byron darüber nach, wie er das Schwert am besten einsetzen könnte, das er zu seinem achtzehnten Geburtstag von seinem Vater geschenkt bekam.
In der folgenden Nacht hatte er wieder eine Vision. Alles um ihn herum war hell, und ein Wesen aus Licht sprach: "Du gehst den falschen Weg. Mein Bruder hat dein Gewissen geraubt, die Verbindung zu allen anderen deiner Herkunft, zu allem, was exisitert."
Der nächste Tag war ein Samstag. Es war der Samstag, der in die Geschichte eingehen würde als der Tag, an dem der Racheengel auf Erden kam, um Lucifers Botschaft zu verkünden. Byron sah auf die Uhr, es war Dreizehn Uhr Dreißig. Die halbe Nacht hatte er sich mit Alpträumen um die Ohren geschlagen, er träumte ausnahmslos vom Krieg. In dieser Zeit gab es keine richtigen Kriege mehr, das Zeitalter der großen Schlachten war vorbei. Heute würde er wieder für einige Stunden den Krieg auferstehen lassen.
In der Innenstadt stieg Byron zunächst auf ein Dach, von diesem aus konnte er einen großen Teil der Stadt mit Marktplatz und Fußgängerzone überblicken. Er nahm den Feldstecher aus der Tasche und musterte das Zielgebiet. Überall waren Menschenmassen, sie sammelten sich an Würstchenbuden und Bierständen. Byron kontrollierte die sichtbaren Bomben auf den Dächern: Nichts ungewöhnliches zu erkennen. Er nahm den Feldstecher herunter und aktivierte das Steuerelement der Zünder. Die Zünder zählten automatisch durch, alle Bomben waren aktiviert und die Steuerung scharf. Für den ersten Test drückte er 01. Mit den Feldstecher sah er Richtung Westen, wo nun eine Feuerwerksrakete in den Himmel stieg und explodierte. Ein paar Menschen sahen sie, der Rest aber bemerkte sie nicht. Er griff in seine Manteltasche und nahm eine Pistole mit Schalldämpfer heraus; die ersten Schüsse sollten keine Panik auslösen. Er lud die Waffe durch und richtete ihn auf die Menschenmenge, ein eisiger Schauer durchfuhr ihn. Byron zog den Abzug langsam zurück. Es war, als würde für einen Moment die Zeit stehen bleiben und die Welt den Atem anhalten. Als der Abzug seinen Endpunkt fand, hörte Byron ein leises Klicken, darauf folge eine gedämpfte Explosion. Eine Stichflamme schoss aus dem Lauf zusammen mit der Kugel Adam, die sich fest entschlossen ihren Weg bannte. Dabei streifte sie ein Ohr und riss es zur Hälfte ab, um anschließend eine Schädelwand zu zersplittern und in die Hirnmasse einer jungen Frau einzudringen. Bei dem Versuch, den Schädel wieder zu verlassen, war die kleine Dum-Dum-Kugel jedoch nicht so elegant und riss ein großes Loch in den Schädel, um dann zusammen mit Gehirnstückchen und Knochensplittern zu Boden zu fallen. Noch während Adams Reise begannen auch seine sieben Geschwister ihre tödlichen Flüge. Lillith durchschlug die Schulter eines biertrinkenden Mannes und riss ihn zu Boden. Sachiel raste in den Hals eines Jugendlichen und zerfetzte Luftröhre und Halsschlagader. Shamshel bohrte sich in die Eingeweide einer Frau, Ramiel zeriss das junge Herz eines Kindes, das von seiner Mutter gehalten wurde. Gaghiel zersplitterte den Unterkiefer eines gut gekleideten Herren, Israfel tat das selbe mit der Kniescheibe eines Obdachlosen, der um Münzen bettelte. Sandalphon schließlich erlitt fast das selbe Schicksal wie Adam. Er drang genau zwischen den Augen des Bürgermeisters in dessen Schädel, durchschnitt das Gehirn und schlug ein Loch in den Hinterkopf, aus dem ein Teil des Gehirn herausspritze, bevor der Körper leblos zu Boden sank.
Einige Menschen fingen an zu schreien oder wegzulaufen, andere erstarrten. Niemand hatte Schüsse gehört. Langsam begann die Masse zu begreifen und suchte die Umgebung ab, um den Schützen auszumachen. Immer mehr Blicke fielen auf Byron, der nun seinen Mantel auszog. Er nahm das Gewehr mit dem Granatwerfer und richtete es auf die Menge. Explosionsartig verbreitete sich Todespanik, die Menschen fingen an zu schreien und loszulaufen, rannten sich jedoch gegenseitig über den Haufen. Byron zog den Abzug durch und jagte unzählige namenlose Killer in die Menschenmasse, Blut spritzte und Körper fielen zu Boden.
Als Byron das erste mal nachladen musste, verschaffte er sich einen Überblick. Der Platz war voll mit Leichen und Schwerverletzten und Rot vor Blut. Er sah in die Fußgängerzone, in welche die meisten Flüchtenden gelaufen waren. Sie war abschüssig und die Blutmassen flossen sie herab in einem breiten, roten Fluss. Ansonsten war der ganze Platz unbelebt, wie ausgestorben. Byron ging in die Fussgängerzone, denn er wußte, das sich hier die Menschen verstecken würden. Auf dem Rückweg zum Motorrad zog Byron die Gasmaske ab und zündete eine Reihe von Bomben, die an strategisch wichtigen Stellen plaziert waren. Einige wichtige Straßen und Durchgänge in die Innenstadt waren jetzt versperrt oder voll von Trümmern, Gas und Feuer. Nachdem er einige Minuten die Straßen mit dem Motorrad abfuhr, zeigte sich die erste Wirkung: Eine Gruppe stand in einer Straße und wußte anscheinend nicht, wohin sie gehen sollte. Byron erleichterte ihnen die Entscheidung, indem er erst eine Handgranate warf und dann mit dem MG hinterschoss. Während die ersten von Kugeln durchsiebt wurden, explodierte die Granate und schleuderte alle neun gegen die Häuserwände, gleichzeitig drangen tausende von Splittern in die hilflosen Körper. Einige lebten noch, als Byron mit der Pistole in der Hand zu ihnen ging. Zwei Männer und eine Frau waren schwer verletzt, bis er sie endgültig vernichtete. Dem ersten Mann richtete er mit Matarael, welchen er durch Lunge und Herz trieb, den zweiten mit Sahaquiel, den er durch das rechte Auge in das Gehirn schoss und die ältere Frau mit Iruel, welchen er durch Luft- und Speiseröhre jagte und die Halswirbel zertrümmern lies.
Mit dem Motorrad fuhr Byron weiter durch die Stadt und traf nur einige Straßen weiter auf eine größere Menschenmenge. Als er sie sah, hielt er kurz an, um das Bajonett auf das Gewehr zu stecken. Die Leute kamen gerade aus einem Kaufhaus, anscheinend hatte niemand damit gerechnet, das der Amokläufer noch in der Stadt ist. Als sie ihn sahen, war es bereits zu spät, den Weg zum Kaufhaus zurück hatte er schon abgeschnitten. Byron fuhr auf sie zu und eröffnete das Feuer, die Menge rannte schreiend und hysterisch davon. Er verfolgte sie in einer brutalen Hetzjagd, in der er die jeweils letzten in Rücken oder Hinterkopf schoss oder ihnen mit dem Bajonett den Hals aufschlitzte. Einige liefen in Seitenstraßen oder Geschäfte, aber auch dort fanden sie keinen Schutz. Mehrmals mußte Byron nachladen, aber sobald er anhielt, wurden auch seine Opfer langsamer, was ihm die Sache erleichterte. Nach einiger Zeit hatte sich die Horde über mehrere Straßen verteilt, also hielt er kurz an, um einige Bomben zu zünden. Ein ohrenbetäubender Lärm lies die Häuser erzittern und zusammen mit fünf Feuerbällen stiegen Tausende Trümmer in die Luft, um dann Straßen, Autos und Menschen unter sich zu begraben. Byron zog sich die Gasmaske wieder über den Kopf und fuhr langsam in das Gemisch aus Staub, Rauch, Feuer und Nervengas hinein. Die Straße war voller Trümmer, also ließ er das Motorrad stehen und ging zu Fuß weiter. Einige hustende Menschen liefen ihm entgegen, hören und sehen konnten sie ihn aber nicht. Dem Ersten rammte er das Bajonett durch den Hals, eine Gewehrsalve folge dem Schnitt des Bajonetts und traf in das Gesicht seines Hintermannes. Drei weitere Flüchtende bemerkten sofort, was passiert war und liefen zurück in den dichten Qualm, obwohl bereits Einer Blut hustete. Zum Marktplatz waren es nur einige hundert Meter. Byron wunderte sich, das ihm noch niemand auf den Fersen war und ihn gestoppt hat, aber am Markt sah es endlich nach einem Kampf aus: Einige Polizisten mit Gewehren sicherten dort die Arbeit von Sanitätern, welche die Leichen in Leichensäcke verpackten und in Krankenwagen trugen, andere machten Fotos oder filmten. Byron nahm das kleinere Maschinengewehr, welches er bis jetzt nur auf dem Rücken gespürt hatte, und einige Granaten. Er warf einige Blitzgranaten, die ihre Wirkung nicht verfehlten: Die meisten versuchten halb blind, in Deckung zu gehen. Zwei Bewaffnete standen aber hinter den Fahrzeugen und stürmten nun feuernd hervor, Byron reagierte jedoch schnell genug und erwischte beide mit mehreren Salven. Er warf einige Rauchbomben, um sich zusätzliche Deckung zu schaffen und dann noch eine Handgranate, welche unter einem der Krankenwagen explodierte und dessen Insassen tötete.
Er stürmte zu dem zweiten Krankenwagen und stellte sich m,it dem Schwert in der Hand neben die Hecktür, die sich nun öffnete. Einige Polizisten kamen heraus und erblickten Byron, hatten aber keine Chance mehr. Dem ersten schlitze er mit einem schnellen Schlag den Bauch auf, dem zweiten schlug er mit dem selben Schwung das Schwert senkrecht in die linke Schulter, es glitt durch das Herz bis in den Bauch. Der dritte zog seine Dienstwaffe, doch Byron schlug ihm mit einem schnellen Schlag den Arm ab, holte in einer Drehung Schwung und rammte ihm dann das Schwert durch die Rippen ins Herz.
Als er vor dem schweren Holztor der riesigen, altgotischen Kirche stand, mußte Byron zunächst feststellen, das es verriegelt war, aber eine Handgranate löste das Problem. Er trat ein und war zunächst verwundert, denn mehrere Dutzend Menschen saßen auf den Bänken und starrten ihn an, einige beteten. Er hätte damit gerechnet, das sie in Panik wegrannten, statt dessen blieben sie still sitzen. Wäre er vor einer halben Stunde hier hereingekommen, hätte es ein Gemetzel wie am Marktplatz gegeben, aber jetzt hatte er keine Zeit mehr dafür. Er ging durch die Reihen nach vorne, bis sich ihm auf halben Weg der Pfarrer entgegenstellte. Doch Byron war nach wie vor der Gesandte Lucifers und hatte zudem ein Schwert in der Hand, mit dem er den Kopf des Pfarrers von dessen Körper trennte. Kopf und Körper fielen zu Boden, während ein Aufschrei durch die Kirche ging, doch Byron lies sich nicht beeindrucken und ging nach vorne zum Altar.
Zurück am Altar sah Byron wieder in die Höhe, die Figur hatte das Geschehen mit Wohlwollen beobachtet. Der Mund öffnete sich und die Gestalt atmete ein, beim ausatmen stoss sie schwarzem Qualm aus. "Du weißt, wer ich bin?" fragte der am Kreuz hängende Körper mit einer Stimme, die direkt aus der Hölle zu kommen schien, und Byron antwortete: "Ich habe deinen Willen befolgt, ich habe für dich gerichtet." "Du hast ein großes Werk verrichtet, an dem viele andere gescheitert sind. Mit deinem Werk wirst du in die Geschichte eingehen und selbst Gott wird dir seinen Tribut zollen müssen." "Warum sollte Gott mein Werk gutheißen?", wollte Byron wissen, und Lucifer antwortete: "Sein Respekt gilt nicht nur den Schöpfern der Welt, sondern auch den Zerstörern. Du hast etwas vollbracht, das er konnte es nicht verhindern konnte. Deshalb ist dir sein Respekt sicher." "Wird er mich nicht bestrafen? Dafür ist er bekannt", fragte Byron. "Er straft niemanden, den er fürchtet alle Menschen, die zu Engel oder Dämonen werden. Du wirst auf der anderen Seite ein mächtiger Dämon werden, das spüre ich", sagte Lucifer. "Gott fürchtet sich vor Menschen? Wie kann Gott Furcht verspüren?" fragte Byron. "Er ist ein gefangenes Wesen wie wir alle. Es gibt noch eine Macht über ihm, aber dieses allmächtige Wesen steht außerhalb aller Regeln und besteht aus allem, was existiert. Denke nicht weiter über es nach, denn es steht zu weit über dir und steckt zu tief in dir, als das du es begreifen könntest. Jetzt solltest du den Übergang in deine neue Existenz vollziehen" sagte Lucifer, und Byron verstand. "Du weißt, was jetzt kommen wird. Du hast dich darauf vorbereitet, ohne es zu wissen. In deiner Waffe wartet Tabris auf die Vollendung. Ich werde dir jetzt wiedergeben, was ich dir genommen habe, und die Dinge werden ihren Lauf nehmen" sprach Lucifer und löste sich vom Kreuz. Er sprang auf den Altar und beugte sich zu Byron, aber zögerte. Sein Blick fiel in die Kirche, deren Bänke noch immer mit Menschen gefüllt waren, die alles mitangesehen hatten. Lucifer richtete sich auf und erhob seine Arme. Die Luft begann zu flimmern und die Gläubigen fingen an zu schreien, Sekunden später gingen sie in Flammen auf. Sie brannten nur einen kurzen Moment, bevor die Flammen erstickten, dennoch blieben nur Knochen und Asche übrig. Byron stand auf und fragte sich, was Lucifer ihm wiedergegeben hatte, denn er hatte nichts vermißt. Es wurde ihm schnell klar, denn in seinem Kopf manifestierte sich ein Gedanke, eine einzelne Frage, die ihn zu ersticken schien: Was habe ich nur angerichtet? Jetzt wurde ihm klar, was ihm Lucifer nahm und er nicht vermißt hatte: Sein Gewissen. Der andere Engel hatte es ihm nachts gesagt, aber erst wurde Byron bewußt, was er gemeint hatte. Er dachte an all die Toten und das Leid, das er über die Menschen gebracht hatte. Ein tiefer Schmerz durchstach ihn, schien ihn innerlich aufzufressen. Er spürte Reue, Mitleid, Angst, alles auf einmal, härter, stärker und intensiver, als es ein einzelner Mensch wohl jemals hatte ertragen müssen. Sein Körper wurde schwerer und er konnte kaum atmen, die Schuld schien ihn zu erdrücken. Er nahm die Pistole, steckte das letzte Magazin hinein und lud den letzten der Engel in den Lauf. Tabris würde alles beenden, würde seine Seele reinwaschen und seinen Schmerz töten. Durch die offene Tür sah er draußen dunkle Gestalten, vermummte Polizisten mit Stahlhelmen und Gewehren, die vermutlich jeden Moment hineinstürmen würden. Für einen Moment bedauerte er, das er sein Glanzstück wohl nicht mehr erleben würde, denn das Aussetzen seines Herzschlages würde noch einige Zünder auslösen und damit die halbe Stadt in ein Trümmerfeld verwandeln. Er nahm den Lauf der Waffe in den Mund und glaubte für einen Moment, den Herzschlag von Tabris spüren zu können. Vielleicht war es auch sein eigener. Alles um ihn herum wurde still und die Geschichte nahm ihren Lauf, ein neuer Schritt im ewigen Kreislauf von Anfang und Ende war getan. |