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Literatur aus den unbekannten Gefilden des Verstands:
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HvR#235 (27.01.2010)
Herr von Runkenstein entflieht der Gegenwart

Und es ward 2010
als Herr von Runkenstein aus seinem Winterschlaf erwachte
und sich die Welt um ihn herum völlig verändert hatte
So wurde die FDP nun Mövenpick-Partei genannt
Haiti war von einem zornigen Gott in Trümmer gelegt worden
die Wiege der Demokratie stand kurz vor dem Staatsbankrott
die geliebte Bundesregierung hatte sich neue Ideen
zur Kontrolle des Internets
und zur Überwachung der Bevölkerung ausgedacht
und der erfolgreichste Film aller Zeiten
war ein Science-Fiction-Remake von Pocahontas
mit blauen Indianern und in 3D
Herr von Runkenstein hoffte nun
dass all die unangenehmen Auswüchse der Zukunft
durch großartige Zukunftstechniken ausgeglichen werden
musste jedoch enttäuscht feststellen
dass die Raumfahrt zunehmend stagnierte
die längst überfälligen Robotersklaven nicht mehr waren
als autonome Staubsauger
und statt der erhofften Kernfusion
noch immer die vermoderten Überreste von Pflanzen und Tieren
aus grauer Vorzeit verfeuert wurden
Da er sich nicht vorstellen konnte
in dieser seltsamen Welt sein Leben zu verbringen
tat er das
was jeder andere an seiner Stelle auch tun würde
nämlich in eine Welt zu fliehen
in der das Leben noch unkompliziert war
zu diesem Zweck betrat er seine
halbkryonische Zeitentschleunigungskammer
in der die Zeit so langsam verging
dass in jeder seiner Sekunden
ein ganzes Jahrhundert an ihm vorüber zog
und brachte ihn so in eine ferne Zukunft
in der ihm eine hochintelligente Feuerqualle
gegen eine Gebühr von zwanzig neokanadischen Silberdollar
eine primitive Zeitmaschine ausdruckte
mit welcher er sein eigentliches Ziel erreichen konnte
nämlich die ferne Vergangenheit
wo er sich an den Gestaden des Urozeans niederließ
und mit einer völlig simplen Tachyonen-Angelrute
mit ultrapräziser Laserzielerfassung
sein Abendessen aus Panzerfischen und Trilobiten aus dem Meer fischte
und ganz nebenbei mit einem klassischen Morgenstern
jeden Fisch zu Brei zerstampfte
der es wagte
mit Hilfe selbstgewachsener Beine an Land zu kriechen
weil Herr von Runkenstein genau wusste
wohin diese abartige und gottlose Entwicklung der Natur
letztendlich führen würde


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